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Statuten des Männergesang-Vereins Hanhofen vom 16. Januar 1882

 

Die folgenden Statuten aus dem Jahre 1882 wurden von Bernd Lohrbächer im Landesarchiv Speyer entdeckt und übersetzt. Kopien der Original-Schriftstücke können sie ►hier herunterladen.


Paragraph 1.

Der hiesige Männergesangsverein macht sich zur Aufgabe, durch Einübung von Kirchengesängen und passenden Gesellschafts-, Vaterlands- und anderen Lieden guten sittlichen Gehalts zur sittlichen Hebung und Förderung des Gesanges nach Kräften beizutragen.

Paragraph 2.

Die Vereinsmittel werden aus den monatlichen Beiträgen der Mitglieder beschafft.

Paragraph 3.

Der Verein besteht aus aktiven und passiven Mitgliedern, welche alle gleiches Stimmrecht haben. Nur brauchen die passiven Mitglieder den Übungsstunden nicht beizuwohnen, wohl aber wird ihre Gegenwart bei einer Hauptversammlung und bei der Wahl der Vorstandschaft gewünscht.

Paragraph 4.

In den Verein werden nur solche Personen aufgenommen, welche:

  1. Das 20. Geburtsjahr zurückgelegt,
  2. im Besitz einer guten Stimme sind,
  3. im Vollgenuß der bürgerlichen Ehrenrechte sich befinden und einen sehr guten Ruf genießen.
  4. Die Aufnahmegebühren mit drei Mark bezahlen, was für aktive und passive gleichviel beträgt.

Paragraph 5.

Derjenige, welcher wünscht, in den Verein aufgenommen zu werden, hat sich beim Vorstand und Dirigenten desselben zu melden, was mündlich oder schriftlich geschehen kann. Er muß die in Paragraph 4 angegebenen Eigenschaften besitzen und hat sich vor der Aufnahme als actives Mitglied einer Prüfung zu unterziehen, die der Dirigent allein, oder aber blos in Gegenwart der Ausschußmitglieder abzuhalten hat. Der Dirigent bestimmt dann, zu welcher Stimme der Aufzunehmende versetzt werden kann.

Paragraph 6.

Die Zahl der Sänger soll nicht mehr als 36 betragen.

Paragraph 7.

Die von den aktiven Mitgliedern des Vereins zu leistenden Beiträge werden auf 10 bis 20 Pfennig monatlich festgesetzt.

Paragraph 8.

Die monatlichen Beiträge sowie alle anderen für den Verein bestimmten Einnahmen werden vom Rechner einkassiert.

Paragraph 9.

Wer drei Monate mit den festgesetzten Beiträgen im Rückstande bleibt und dieselben nicht innerhalb eines Monats - nach vorausgegangener Warnung - entrichtet, kann durch Beschluß der Vorstandschaft aus dem Verein ausgeschlossen werden. Bei Stimmengleichheit entscheidet bei jeglicher Abstimmung die des Präsidenten.

Paragraph 10 - Vereinsvorstand.

Die Vorstandschaft besteht aus 6 Personen: dem Präsidenten, dem Dirigenten (für den weltlichen und kirchlichen Verein), dem Rechner und zwei Beisitzern.

Paragraph 11.

Die Wahl des Präsidenten, Rechners und der beiden Beisitzer findet alle drei Jahre statt.

Paragraph 12.

Jedes Mitglied kann wählen und gewählt werden (ob aktiv oder passiv) wenn es zwei Jahre dem Verein angehört.

Paragraph 13.

Bei jeder Wahl ist absolute Stimmenmehrheit erforderlich. Ist eine solche bei der ersten Abstimmung nicht vorhanden, so werden diejenigen Personen, welche die meisten Stimmen haben, in eine engere Wahl gebracht. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Scheidet ein Vereinsmitglied innerhalb der drei Jahre aus, so erfolgt eine Ergänzungswahl, die von allen Vereinsmitgliedern vorgenommen wird. Die nach Ablauf der Wahlperiode ausscheidenden Ausschußmitglieder sind wieder wählbar.

Paragraph 14.

Der Vorstand mit den betr. Dirigenten und die Ausschußmitglieder führen die Aufsicht über die MItglieder des Vereins, sie sorgen für Ruhe und Ordnung im Verein, beraten über stattzufindende Unterhaltungen, Ausflüge etc.

Paragraph 15.

Die Sitzungen finden nach vorausgegangener Einladung von Seiten des Vorstandes und der Dirigenten statt.

Paragraph 16.

Im Laufe des Jahre sollen einige Gesangs-Unterhaltungen und wenn die nötigen Geldmittel vorhanden sind, ein Vereinsball stattfinden. Es wird zu diesem der II. Sonntag nach dem Dreikönigsfest bestimmt. Statt Tansmusik dürfen an diesem Tage auch eine anderweitige musikalische Unterhaltung treten. Um auch den hiesigen vier Wirten gerecht zu werden, wird mit den betr. Lokalen regelmäßig gewechselt.

Paragraph 17.

Alle dem Verein entstehenden Kosten als: Entschädigung des Dirigenten, der mit Einübung der Gesänge weltlichen Inhaltsbetraut ist, Gehalt des Vereinsdieners für Beleuchtung, Anschaffungen von Gesängen etc. werden aus der Vereinskasse bestritten. Die neu eingeschriebenen Lieder werden besonders von den betr. aktiven Vereinsmitglieder bezahlt, also nicht aus der Vereinskasse.

Paragraph 18.

Der Gehalt des Dirigenten bei Einübung von Gesängen weltlichen Inhaltes wird vorläufig auf vierzig Mark, der des Vereinsdieners auf zehn Mark jährlich festgesetzt, die Auszahlung erfolgt vierteljährlich.

Paragraph 19.

Genannter Dirigent (dermalen der Lehrer der unteren Schule) hat die Verpflichtung an zwei Abenden in der Woche Gesangstunde zu geben und die eingeübten weltlichen Gesänge bei den gebräuchlichen Anlässen zu dirigieren. Die Gesangsstunden fallen aus in der Charwoche und in den Schulferien, dann zur Zeit der strengen Feldarbeit, wann es von den MItgliedern gewünscht wird.

Paragraph 20.

Den religiösen Gesang dirigiert der derzeitige Lehrer der oberen Schule, sowohl in der Kirche als auch zu derselben bei Prozessionen, Leichenfeierlichkeiten usw. Im Verhinderungsfalle tritt der Lehrer der unteren Schule an dessen Stelle und leistet, wie seither gebräuchlich, jegliche Beihilfe bei Einübung von Kirchengesängen.

Paragraph 21.

Der Vereinsdiener hat die Pflicht, rechtzeitig für Beleuchtung, und wenn nötig, für Heizung des Lokals (in der unteren oder oberen Schule) zu sorgen, die Lampen zu löschen, die Liederbücher in Ordnung zu bringen und sorgfältig zu verwahren, die Sänger bei Einübung von religiösen und weltlichen Liedern einzuladen, nach Befehl die Ausschußmitglieder zu bestellen und die notwendig werdenden auswärtigen Botengänge zu machen.

Paragraph 22.

Sollen religiöse Lieder, wie in Paragraph 20 bemerkt, eingeübt werden, so wird der Ordnung wegen mit dem Vorstande und Leiter des weltlichen Gesangsvereins Rücksprache genommen. Die Mitglieder des Vereins verpflichten sich ebenso pünktlich in den betreffenden Übungsstunden zu erscheinen, wie dies bei Einübung von weltlichen Gesängen vorgeschrieben ist.

Paragraph 23. - Strafen

Fehlt ein Mitglied ohne genügenden Grund in den Übungsstunden, so wird er für das 1. Versäumnis mit zehn Pfennig, für das 2. mit fünfzehn und für das dritte mit zwanzig Pfennig bestraft. Dasselbe gilt auch bei Einübung von Kirchengesängen. Bei außerordentlichen Zusammenkünften, wo die Anwesenheit sämtlicher aktiven Mitglieder besonders nötig ist, wird für jedes schuldbares Versäumnis 30 Pfennig entrichtet. Wer überhaupt nur aufeinanderfolgende schuldhafte Versäumnisse hat, wird als nicht mehr dem Verein angehörig betrachtet und aus der Liste gestrichen.

Paragraph 24.

Es wird erwartet, daß jedes Mitglied sich eines musterhaften religiös-sittlichen und politischen Betragens befleißigt und hiedurch dem Verein nur Ruhm und Ehre bereitet. In dem Vereinslokal ist vor und während der Übungsstunden das Rauchen streng verboten. - Grobe Widersetzlichkeit gegen die Vereinsstatuten, unanständiges Betragen gegen den Vorstand und die Dirigenten, die mit Einübung religiöser und weltlicher Lieder betraut sind, haben auf Antrag den Ausschluß zur Folge. Wer sich gern bei Trinkgelagen und Schlägereien beteiligt, in den Wirtshäusern gemeine Lieder singt, erhält für das erste und zweite Mal vom Präsidenten oder Dirigenten in Gegenwart des ganzen Vereins einen Verweis, im Wiederholungsfalle erfolgt ebenfalls Ausschuluß vom Verein. Diese Strafe trifft über jeden, der durch sein Betragen öffentlich Ärgernis gibt.

Paragraph 25.

Ausgeschlossene oder freiwillig aus dem Verein Getretene können nach den in Paragraph 24 gegebenen Bedingungen nach zwei Jahren wieder aufgenommen werden. Der Eintrittspreis wird auf sechs Mark festgesetzt.

Paragraph 26.

Tritt ein aktives MItglied aus Gesundheitsrücksichten oder anderen Gründen aus, so kann es sich unter die Zahl der Passiven aufnehmen lassen; es zahlt dann die monatlichen Beiträge der passiven Mitglieder nach Paragraph 7.

Paragraph 27.

Wer aus dem Verein ausgeschlossen wird oder freiwillig als aktives oder passives Mitglied austritt, verliert alle Rechte(n) auf das vorhandene Vereinsvermögen.

 

Paragraph 28.

Bei der kirchlichen Trauung eines Vereinsmitgliedes singen die Sänger ein entsprechendes Lied; ebenso bei einer Beerdigung, wobei alle aktiven Mitglieder zugegen sein müssen. Wer ohne genügenden Grund wegbleibt, wird mit dreißig Pfennig bestraft.

Paragraph 29.

Wer freiwillig als aktives oder passives Mitglied aus dem Verein tritt oder ausgeschlossen wird, kann auf das in Paragraph 28 Gesagte keinen Anspruch nehmen. Um ein für alle Mal Ordnung zu schaffen, wird hier bestimmt, daß nur Mitglieder des Vereins diese Ehre zu teil wird wie oben erwähnt, bei der Trauung oder Begräbnisfeier zu singen. Bei Beerdigung der Ehefrau des Mitgliedes soll ebenfalls vom Verein gesungen werden. Sonst in keinem Falle - auch nicht gegen Bezahlung von Seiten der ausgetretenen Mitglieder oder deren Hinterbliebenen.

Paragraph 30.

In ganz besonderen Fällen entscheidet - ob bei herzliche Anlässen gesungen wird oder nicht - der Ausschuß, wenn 2/3 der aktiven Sänger Mitglieder dafür stimmen.

Paragraph 31.

Das Kassengeschäft führt, wie Paragraph 8 bemerkt, der Rechner als ein Ehrenamt ohne Entschädigung. Nur die Auslagen für Papier und Schreibmaterialien, dürfen verrechnet werden. Der Vorstand kann die Visitationen der Kasse nach Belieben vornehmen. Ende Dezember oder Anfang Januar wird die Rechnung abgeschlossen und dem Auschusse und dem ganzen Verein mit den bezüglichen Belegen vorgelegt.

 

Paragraph 32.

(fehlt)

Paragraph 33.

Der Verein ist als aufgelöst zu betrachten, wenn demselben weniger als acht aktive und passive Mitglieder zusammen angehören. Diese haben das Recht, nach Belieben mit dem vorhandenen Vereinsvermögen zu verfahren.

Paragraph 34.

In ein Protokollbuch werden die betr. Beschlüsse einer jeden Sitzung eingetragen und von der Vorstandschaft unterzeichnet.

 

Paragraph 35.

Veränderungen der Statuten sind Ende Dezember vorzunehmen und Kgl. Bezirksamte zur Genehmigung in Vorlage zu bringen.

 

Vorstehende Statuten, welche den anwesenden Vereinsmitgliedern vorgelesen und von diesen unterschrieben wurden, treten nach der Genehmigung des Königlichen Bezirksamtes Speyer in Kraft.

Hanhofen, den 16. Januar 1882

Der Vereinsvorstand

 

© MGV 1850 Hanhofen e.V.