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Statuten des Männergesang-Vereins Hanhofen vom 30. November 1889

 

Die folgenden Statuten aus dem Jahre 1889 wurden von Bernd Lohrbächer im Landesarchiv Speyer entdeckt und übersetzt. Kopien der Original-Schriftstücke können sie ►hier herunterladen.


§ 1.

Der Männergesang-Verein Hanhofen bezweckt, durch Einübung religiöser, sowie passender Gesellschafts- und Vaterlandslieder das sittlich religiöse und gesellschaftliche Leben unter seinen Mitgliedern zu heben, die Liebe zum Vaterlande und deutschen Männergesang  zu fördern und so auch auf dem Vereine Fernstehende veredelnd zu wirken. Außerdem setzt er sich die Aufgabe zur Verschönerung des Kirchengesanges nach Kräften beizutragen.

§ 2.

Die Mitglieder des Vereins sind aktive und passive; beide haben gleiches Stimmrecht und gleichen Anteil am Vereinsvermögen. Die passiven Mitglieder sind vom Besuche der Übungsstunden entbunden, ihre Gegenwart wird jedoch bei Hauptversammlungen des Vereins, sowie bei der Wahl der Vorstandschaft gewünscht.

§ 3.

Aufnahme in den Verein können nur solche Personen finden, welche das 20. Lebensjahr zurückgelegt haben und bei guter Stimme sich eines ungetrübten Rufes erfreuen.

§ 4.

Wer wünscht in den Verein aufgenommen zu werden, hat sich dem Vorstande und Dirigenten zu melden. Vor versammeltem Ausschusse prüft der Dirigent dessen Stimme, worauf der Ausschuß nach den Bestimmungen des §3 und dem Ergebnisse der Prüfung über Aufnahme oder Rückweisung verfügt.

§ 5.

Die Zahl der aktiven Mitglieder darf 36 nicht übersteigen.

§ 6.

Die Aufnahme unter die passiven Mitglieder erfolgt nach mündlicher oder schriftlicher Anzeige bei Vorstand und Rechner des Vereins.

§ 7.

Das Vereinsvermögen bildet sich aus den für Aufnahme entrichtete Geldern und den Monatsbeiträgen der Mitglieder. Fahne, Bücher, Hefte Pult usw. gehören dem Vereine an, sind nicht Eigentum des derzeitigen Besitzers.

§ 8.

Die Aufnahmegebühr beträgt 3 Mark, ohne Unterschied, ob der Eintritt unter die aktiven oder passiven Sänger erfolgt. Diese Gebühr ist sofort nach der Aufnahme an den Rechner zu entrichten.

§ 9.

Der Monatsbeitrag eines jeden aktiven Mitgliedes beträgt 10 Pfennige, der des passiven 20 Pfennige, welche zu Anfang des Monats vom Rechner erhoben werden. Der Ausschuß kann, wenn besondere Verhältnisse obwalten, den monatlichen Beitrag der aktiven Mitglieder bis zu 20 Pfennige erhöhen.

§10.

Wer mit der Einzahlung der Beiträge 3 Monate im Rückstande bleibt, kann durch Beschluß der Vorstandschaft aus dem Verein ausgeschlossen werden.

§ 11.

Die Vorstandschaft des Vereins besteht aus 7 Mitgliedern, von denen der Präsident, der Rechner und 3 Beisitzer alle 3 Jahre zu wählen sind. Die Dirigenten des weltlichen und kirchlichen Vereins sind ständige Mitglieder des Ausschusses.

§ 12.

Die nach 3 Jahren aus dem Ausschusse scheidenden Mitglieder sind wieder wählbar.

§ 13.

Sämtliche Vereinsangehörige, aktive und passive, können wählen und gewählt werden, von den passiven nur ein Ausschußmitglied.

§ 14.

Die Abstimmung geschieht schriftlich und findet im Vereinslokale nach Ablauf der festgesetzten Zeit im Monat November statt.

§ 15.

Als gewählt kann nur derjenige angesehen werden, der absolute Stimmenmehrheit besitzt. Bleibt das Ergebnis unentschieden, so treten sämtliche, die Stimmen erhielten zur engeren Wahl zusammen. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los.

§ 16.

Der Wahl der Vorstandschaft folgt unmittelbar die des Vorstandes und Rechners; jede derselben ist gesondert vorzunehmen.

§ 17.

Scheidet während der 3 Jahre, vor Ablauf der nach § 11 bestimmten Zeit, ein Mitglied aus dem Ausschusse, so ist von sämtlichen Vereinsmitgliedern eine Ergänzungswahl vorzunehmen.

§ 18.

Der Vorstand mit dem Dirigenten und die übrigen Mitglieder des Ausschusses führen die Aufsicht über die Sänger; sie sorgen für Ruhe und Ordnung, beraten stattzufindende Unterhaltungen, Ausflüge u.f.m. und treffen nach Monatsschluß die Bestimmungen über die Behandlung vorgekommener Versäumnisse.

§ 19.

Die Sitzungen des Ausschusses finden nach vorausgegangener Einladung seitens des Vorstandes, bzw, des Dirigenten statt.

§ 20.

Bleibt ein Ausschussmitglied absichtlich oder ohne hinreichenden Grund den Sitzungen fern, so wird er mit 1 Mark Strafe belegt.

§ 21.

Damit der Verein seinen Zweck vollständig erreiche finden im Laufe des Jahres mehrere Gesang-Unterhaltungen statt, zu welchen auch die passiven Mitglieder einzuladen sind. Alle zwei Jahre findet am 26. Dezember eine Christbaumverlosung statt, der Vereinsball nach den Bestimmungen, Beschließungen des Ausschusses alle 2 oder 3 Jahre auf den II. Sonntag nach dem Dreikönigsfeste. Dem Ausschusse bleibt es aber überlassen an dessen Stelle eine größere gesellige Unterhaltung treten zu lassen.

§ 22.

Alle dem Verein entstandenen Kosten, Gehalt des Dirigenten und Vereinsdieners usw. werden aus der Vereinskasse bestritten. Für die vom Dirigenten in die Liederhefte eingetragenen Gesänge hat jedes Mitglied (akt.) denselben besonders zu entschädigen.

§ 23.

Der Gehalt des Dirigenten beträgt vorläufig 40 Mark. Dafür erteilt derselbe wöchentlich 2x Gesangsstunde und hat die eingeübten weltlichen Gesänge bei gebräuchlichen Anlässen zu dirigieren.

§ 24.

Die Gesangsstunden fallen aus: in der Zeit der Charwoche, während der Schulferien und bei strenger Feldarbeit, insofern letzteres Wunsch der Mitglieder ist.

§ 25.

Der Gehalt des Vereinsdieners beträgt 20 Mark. Außerdem ist derselbe von der Entrichtung der monatlichen Beiträge entbunden.

§ 26.

Der Vereinsdiener hat die Pflicht für rechtzeitige Beleuchtung und Heizung des Übungslokales Sorge zu tragen, die Lampe zu löschen, Liederbücher in Ordnung zu bringen und sorgfältig zu verwahren, die Sänger und Ausschußmitglieder zu bestellen und die notwendigen Botengänge zu machen.

§ 27.

Der Vorstand hat die Aufgabe, jede Versammlung des Vereins, des Ausschusses zu Zwecken der Beratung von Vereinsangelegenheiten, Wahl, bei geselligen Zusammenkünften usw. zu leiten und den Verein nach außen zu vertreten. Er hat das Recht bei Stimmengleichheit endgültig zu entscheiden und die Vereinskasse zu visitieren.In den Übungen selbst, sowie bei allen Angelegenheiten die sich nur auf die Einübung von Liedern oder deren Vortrag beziehen, hat sich derselbe jedoch den Anordnungen des Dirigenten zu fügen und hat diesen bei Aufrechterhaltung der Ordnung in den Übungsstunden zu unterstützen.

§ 28.

Der Rechner verwaltet das Vereinsvermögen und hebt die fälligen Gelder. im Monate Dezember jeden Jahres hat derselbe seine Rechnung abzuschließen und den Ausschuß mit den diesbezüglichen Belegen dem Verein vorzuführen. Derselbe ist verpflichtet auf Verlangen des Vorstandes diesem die Visitation der Kasse jederzeit zu gestatten.

§ 29.

Vorstand und Rechner verwalten ihr Amt als Ehrensache unentgeltlich und haben beide nur auf Rückersetzung ihrer Auslagen für Schreibmaterialien Anspruch zu machen.

§ 30.

Jedes Mitglied ist berechtigt Anträge zu stellen, seine Meinung frei und ungezwungen zu äußern, bei Verletzung der Vereinsstatuten oder anderer Beschlüsse sich beschwerend an den Ausschuß zu wenden.

§ 31.

Die aktiven Mitglieder des Vereins haben die Gesangsstunden regelmäßig zu besuchen, bei Einübung kirchlicher oder weltlicher Gesänge dem Dirigenten volle Aufmerksamkeit zu schenken und vollständigen Gehorsam zu leisten. Sie haben sich den Beschlüssen des Ausschusses zu unterwerfen, unter sich in steter Eintracht zu leben und so Unfriede vom Verein fernzuhalten.

§ 32.

Das Rauchen im Lokale ist unter allen Umständen vor wie nach den Übungsstunden untersagt.

§ 33.

Fehlt ein Mitglied bei der festgesetzten Übungsstunde ohne hinreichenden Grund, so wird es mit 10 Pfennige für das 1. und 20 Pfennige für das 2. -, 30 Pfennige für das 3. Versäumnis bestraft. Es gilt diese Bestimmung sowohl für den Besuch der kirchlichen wie der weltlichen Gesangsstunden.

§ 34.

Wer viermal ohne genügende Entschuldigung den Übungsstunden fernbleibt, schließt sich durch dieses Verschulden selbst von dem Verein aus.

§ 35.

Bei geselligen Zusammenkünften jeder Art, bei Trauung oder Beerdigung eines Mitgliedes (§ 38) wird jedes Versäumnis mit 50 Pfennigen bestraft.

§ 36.

Widersetzlichkeit gegen Vorstand und Dirigent, unanständiges Betragen auf der Straße oder im Wirtshause, das Absingen zottiger Lieder, Rauferei usw. kurz Untugenden, die das betreffende Vereinsmitglied verunehren, werden als eine dem ganzen Vereine zugefügte Schmach von diesem strenge gerügt und bestraft. Gegebenenfalls kann sofort Ausschluss ausgesprochen werden.

§ 37.

Die Vereinslieder bleiben ausschließlich geselligen Zusammenkünften sämtlicher Mitglieder erspart. Es ist demnach den Sängern untersagt, diese als Wirtshauslieder zu gebrauchen oder sich ihrer auf der Straße zu bedienen. Ausnahmen hiervon sind nur durch ausdrückliche Billigung des Vorstandes oder Dirigenten gestattet und nur dann, wenn deren Anwesenheit dafür bürgt, daß das von den Sängern gewünschte Lied schön und richtig durchgeführt werden kann.

§ 38.

Das einzelne Gesangsvereinsmitglied wird im Falle jederzeitiger guter Aufführung und steter Befolgung der in den Statuten ausgesprochenen Forderungen vom ganzen Verein geachtet. Aus diesem Grund haben

a) Alle aktiven Mitglieder des Vereins bei Hochzeitsfeier eines Vereinsangehörigen in der hl. Messe den Gesang zu übernehmen und demselben am Abend des Trauungstages ein Ständchen zu bringen.

b) Bei Beerdigung eines Mitgliedes haben sämtliche Sänger die Kirche zu besuchen und am Grabe ein entsprechendes Lied zu singen.

§ 39.

Nichtmitgliedern wird diese Ehre unter keiner Bedingung zu teil.

§ 40.

Jedes aktives Mitglied kann bei Alter aus Gesundheitsrücksichten oder andern berechtigten Gründen unter die Zahl der passiven übertreten. Ein passives Mitglied jedoch, welches schon aktiv war, unter die aktiven Mitglieder nur nach Beschluß der Vorstandschaft, wenn seit der Zeit des Übertrittes zwei Jahre verflossen sind.

§ 41.

Aus dem Verein Ausgeschlossene oder freiwillig Ausgetretene können nur nach den Bestimmungen des § 4 nach Ablauf eines Jahres von Tage des Wegtrittes an, gegen Entrichtung der erhöhten Eintrittsgebühr von 6 Mark Wiederaufnahme finden.

§ 42.

Mit dem Ausscheiden aus dem Verein erlischt jeder Anspruch auf das vorhandene Vereinsvermögen.

§ 43.

Der Verein ist als aufgelöst zu betrachten, denn demselben weniger als 8 (akt. und passive Zusammengenommen) Mitglieder angehören. Diese haben das Recht nach Belieben mit dem vorhandenen Vereinsvermögen zu verfahren.

§ 44.

Die jederzeitigen Beschlüsse des Ausschusses sind in ein Protokollbuch einzutragen und von der Gesamten Vorstandschaft zu unterzeichnen.

§ 45.

Veränderungen der Statuten sind Ende November oder Anfang Dezember kgl. Bezirksamte zur Genehmigung in Vorlage zu bringen.

*

Vorstehende Statuten, welche den anwesenden Mitgliedern vorgelesen wurden, treten nach Genehmigung kgl. Bezirksamtes sofort in Kraft.

Hanhofen, den 30. November 1889

 

© MGV 1850 Hanhofen e.V.